Sugruuu!

Sugru ist ein Start-Up Produkt aus Amerika. Es ist eine Art Kleber, der sich wie Knete verarbeiten lässt und zu einer Art Gummi aushärtet. Dazu bleibt das Zeug an ziemlich vielen Oberflächen gut haften, was eine ganze Reihe an Anwendungsfällen eröffnet: Vom Reparieren übers Verbessern bis zum Neues erschaffen. Die Sugru Website bietet da eine ganze Menge Inspiration, was man alles mit Sugru anstellen kann.

Ich gebe zu, das ich von Sugru ziemlich gehypt bin. Die Möglichkeit, sehr unkompliziert und ohne weiteres Equipment quasi alles zusammen zu kleben, erweitern und verbessern zu können, lässt mein Kreativitäts-Herz höher schlagen. Deswegen war’s nicht weit her, das ich mir ein Starter-Kit* gekauft habe, als die Gelegenheit günstig war**.

Ich habe inzwischen alle 5 Sugru Packs aus dem Kit aufgebraucht. Natürlich ist Sugru nicht das Wunderzeugs, das ich mir erträumt habe, aber es kommt ziemlich nah dran. Recht ernüchtert musste ich jedoch feststellen, das das „almost“ in dem Werbespruch „Sticks to almost everything!“ so ziemlich jedes Textil meint, erst recht, wenn es nicht fest verspannt und/oder fusselig ist.

Ohne weiteres Drumrum möchte ich euch einfach die Projekte vorstellen, für die ich meine 5 Packs verbraucht habe, damit ihr euch eine eigene Meinung bilden könnt.

 

* Als ich das Pack gekauft habe, hat es meine ich 15€ gekostet und dafür 5 Packs enthalten: Es lag noch ein Mossy Green bei.

** Was hierbei „finanziell günstig“ hieß und es gerade Rabatt und kostenlosen Versand gab.

1. Projekt: Silver Grey

Mein erstes Projekt war ein absoluter Klassiker (wenn man sowas bei einem Start Up Produkt sagen kann): Häkchen. Man hätte sich hier natürlich auch einfach Klebehaken kaufen können … aber man kann sie auch mit Sugru selber formen (und eine sehr unauffälige Variante schaffen).

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2. Projekt: Mossy Green

Mein zweiter Anlauf befasste sich mit einem Problem, das mich die letzten 2 Jahre beschäftigt hatte: Ich habe einen selbst dekorierten Türkranz für Weihnachten und mir dafür 3 Rotkehlchen-Aufhänger gekauft, die ich im Kranz platzieren wollte. Ich fand aber schlicht keinen Weg, sie irgendwie zu befestigen. Sugru sollte nun also aushelfen, wo bisher alles andere versagt hatte.

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Ich hab leider vergessen, ein Ergebnisfoto zu machen … Die Rotkehlchen waren recht fusselig, weswegen es höchst mühsam war, das Sugru irgendwie daran haften zu kriegen. Es half ein Trick, der auf der Sugru Website empfohlen wird: Ein kleines bisschen Sugru auf dem Ziel auftragen und möglichst gut festdrücken, dann den restlichen Sugru auf den angebrachten Sugru befestigen – und hoffen, das es hält. 2 der 3 Rotkehlchen haben nun tatsächlich gehalten, eines ist wieder abgefallen; hier hielt der Sugru nur an einigen Fusseln und war zudem nur an einem Zweig festgeklebt. Da spielte also auch ein bisschen schlampige Verarbeitung eine Rolle. Sobald ich den Kranz wieder aus dem Keller hole, trage ich nach, ob sie auch ein zweites Jahr lang halten.

3. Projekt: Snow White

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Das Snow White Pack habe ich für zwei Dinge benutzt: Als erstes um einen Kabelkanal mit der Raufaserdecke zu verheiraten, bei der der enthaltene Klebestreifen des Kanals versagt hatte. Das hält bis heute (also seit einigen Wochen) sehr zuverlässig.

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Das zweite waren Türstopper bzw. Schoner an ungewöhnlichen Stellen (von links nach rechts: Schonung für die Glas-Balkontür, ein Stopper für die Haustür und ein Stopper für die Kleiderschranktür am Fensterbrett). Zu arg darf man die Türen immernoch nicht aufwerfen, aber eventuellen Kratzern und Dellen ist nun vorgesorgt.

4. Projekt: Classic Red

Hier hab ich mich in einem weiteren großen (beworbenen) Feld von Sugru versucht: Das Reparieren. Ich musste vor einigen Jahren feststellen, das es eine weniger gute Idee ist, an die Heizspirale eines gerade ausgeschalteten Racelettes zu fassen. Ich hab keine bleibenden Schäden davon getragen, der Handschuh leider schon. Da die Hitzebeständigkeit von Sugru ja sehr gut sein soll, hielt ich das für einen angemessenen Test.

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Auch hier hat sich das Zeug gewehrt, am (Textil-) Handschuh haften zu bleiben und es war recht fummelig anzubringen. Mit dem „Erst ein bisschen Sugru, dann der Rest“ ist die Schicht nun dünner als geplant geworden, nach dem Austrocknen ist es nun aber eine Einheit und schützt die Fingerchen wieder zuverlässiger vor Hitze.

5. Projekt: Pitch Black

Die letzte Packung wurde gestern verarbeitet, auch wieder für mehrere Dinge.

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Anwendungsfall 1: Die Schuhe zum Reinschluppen. Das Polster an der Ferse war vollständig durchgescheuert und der Fuß lag am harten Innenmaterial (Plastik) an, was ziemlich unbequem war. Eigentlich hätte ich die Schuhe so weggeschmissen, aber Sugru soll Zeug vor diesem Schicksal ja bewahren, also habe ich versucht, das fehlende Stück Polsterung nachzumodellieren. Hier wieder: Textil. Ist vielleicht ein spezielles Problem von mir, das ich faktisch nur textile Sachen reparieren möchte …

Wie erwartet ist das Sugru nicht so nett wie die alte Polsterung, aber sehr viel netter als das scheurige Innenmaterial. Und: der Schuh passt wieder besser!

Anwendungsfall 2: Eine Idee von der Sugru Website: Ein Stiftehalter! Wer ein analoges Notizbuch mit sich führt, kennt vielleicht das Problem, das der Stift nie da ist, wo das Buch ist – die Gummischnecke löst das Problem. Es gab auch noch eine alternative Idee, die kein Gummiband am Notizbuch benötigte. Hab ich auch ausprobiert, hat bei mir aber nicht geklappt; entweder sind mir die Seiten zu kurz geraten oder der Bücherrücken war zu schmal …

 

Nachtrag: Die Sache mit den Schuhen hat nicht gehalten – das Sugru ist an dem etwas scharfkantigen Plastik aufgebrochen und es hat sich nach einem Tag tragen auch direkt vom Stoff gelöst. Also doch neue Schuhe. Und kein Sugru mehr für Textiles.

Fazit

All die Anwendungsfälle, die ich hier ausprobiert habe, hätte man alternativ lösen können: Mit Klebehaken, Silikonkleber, Textilflicken, Heißkleber oder Bürogadgets. Sugru ist nun nichts, das einem noch nicht dagewesene Möglichkeiten schafft, doch seine Flexibilität, seine guten Haltbarkeiteigenschaften und einfache Verarbeitung machen es zu ziemlich tollem Zeugs, das eben einen Haufen Dinge lösen kann, für die man eigentlich unterschiedliche Materialien und Equipment gebraucht hätte. Sugru ist mit ca. 2€ pro Single Pack nicht unschlagbar günstig, aber meiner Meinung nach auch nicht übertrieben teuer. Man sollte es nicht für alles, das irgendwie anfällt, verwenden, doch ich bin recht überzeugt davon, das ein überlegter Einsatz einiges verbessern und viele Dinge vor der Entsorgung retten kann.

Was man jedoch beachten sollte: Sugru ist nicht unendlich haltbar. Die Packs haben ein Verbrauchszeitraum von ca. 1 bis 2 Jahren – wobei die Lebendauer sich deutlich verlängert, wenn man es im Kühlschrank aufbewahrt.

Bonus

Drum habe ich mir nach dem Starter Kit auch ein neues 8-Pack gekauft! Ich habe noch einige Projekte, die ich gerne machen möchte (unter anderem das hier – und das hier!) und ich glaube, es lohnt sich, ein bisschen was davon zuhause zu haben. Eins der Packs habe ich direkt verarbeitet – um in weißes Papier eingeschlagene Blumentöpfe an die Wand zu kleben …

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… und meine Sommerhüte daran aufzuhängen. 😀

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