Review: Swords & Crossbones AEPS

Bei Swords & Crossbones handelt es sich um ein rundenbasiertes Strategie-RPG-Spiel mit Managing- und Bauelementen. Dieser Review bezieht sich auf die über Steam vertriebene PC-Version, das Spiel ist auch in Play und App Store verfügbar (hier kostenlos, vermutlich in vollem Umfang).

Mit 5€ Normalpreis ist es ein recht günstiges Spiel, wobei der PC-Spieler hier mal „blöd dasitzt“, das er für ein kostenloses, portiertes Smartphonespiel (mit Touchscreen-Interface) Geld zahlen soll.

Die Story

Das Setting ist reichlich piratig: Die Welt besteht aus jede Menge Wasser und einer (Piraten-)Insel, noch mehr Inseln, Kanonen und Schwertern und Schiffen. Der Hauptcharakter ist wiederrum erstaunlich unpiratig: Ihr spielt ein Mädel mit schockpinken Haaren und Blumenclips an den Ohren, das aber immerhin ordentlich mit dem Schwert umgehen kann. Und… eigentlich gar kein Pirat ist.

Du beschützt Madame Bonnie als Leibwache auf einer Überfahrt. Leider werdet ihr von Piraten angegriffen und übermannt – dabei erfahrt ihr, das Bonnies Vater, zu dem ihr unterwegs seid, vom Bösewicht des Spiels gemeuchelt wurde. Du wirst gefangen genommen – dann befreit – dann zum Captain befördert, bevor dir deine neu gewonnene Mannschaft wieder entrissen wird. Schließlich klaust du ein Schiff, um auf die nächste Insel zu kommen und Bonnie zu befreien, irgendeinen wichtigen Schatz zu finden, den bösen Piraten zu hauen und die Welt zu retten. That’ll be easy. swordandcrossbones1

Einstieg und Interface

Das Tutorial besteht aus aufploppenden Textboxen, die Interfacebestandteile erklären, wenn man sie das erste Mal aufruft. Interaktiv ist dies nicht; einmal weggeklickt hat man hoffentlich verstanden, was die einzelnen Elementen tun. Die Erklärungen sind jedoch ausführlich genug, das dies kein Problem darstellen sollte. Außerdem ist eine allgemeine Spielhilfe übers Menü abrufbar. Eine Charaktererstellung bietet das Spiel nicht, der Hauptcharakter ist fest gesetzt. Bei manchen Funktionen und Knöpfen wird man recht alleine sitzengelassen, so das im späteren Spielverlauf immer mal Rätselraten angesagt ist, wie nun etwas genau funktioniert.

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Die mit Abstand größte Schwäche des Spiels ist seine UI. Sie ist umständlich zu bedienen, normale Spielzüge benötigen mehrmaliges Klicken und Mausbewergen und sie fühlt sich unangenehm stark nach Touchscreenkompatibilität an. Es gibt keine Shortcuts für Aktionen wie Bewegen und Angreifen, die gesamte Steuerung muss über die Maus erfolgen. Dadurch ist das gesamte Spiel – sowohl im Kampf als auch auf der Insel z.B. beim Bauen sehr umständlich und langsam zu bedienen. Hier wurde leider keinerlei Anstalten gemacht, das Interface auch am PC erträglich zu gestalten.

Dies hat sich mit einem Update vom 16.02 deutlich verbessert: Siehe den Nachtrag im Fazit

Sonst gibt es noch kleinere Schwächen, die auf Kosten des Spielkomforts gehen; manche Funktionen werden im Tutorial nicht erklärt, generell mangelt es manchmal an Hinweisen, Quests sind nach Beginn nicht mehr einsehbar und einige weitere, kleinere Nicklichkeiten.

Das Gameplay

Die Features

Das Spiel bietet zwei Hauptfeatures. Zum ersten ist da das rundenbasierte Kampfsystem auf einem begrenzten, in ein Grid unterteiltem Spielfeld. Jede Figur kann pro Zug je eine Bewegung und eine Aktion ausführen, wobei die Aktion ein Angriff, der Einsatz von Skills oder das Benutzen von Items sein kann. Wird nur eine Aktion oder eine Bewegung ausgeführt oder gar nichts von beiden und die Runde per „Wait“ beendet, rückt man dafür Plätze in der Zugreihenfolge nach vorne. Gegenstände – meist in Form von explosiven Fässer – und besondere Tiles (Wasser) bieten leichte strategische Elemente.

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Das zweite Hauptelement des Spiels ist das Ressourcenmanagement auf der eigenen Insel. Ressourcen können über Quests, aber auch über eigens dafür gebaute Gebäude erlangt werden. Gebaute Gebäude können wiederrum – gegen Ressourcenkosten – verbessert werden, wenn bestimmte (baubare) Voraussetzungen erfüllt sind. Später im Spiel bekommt man die Möglichkeit sein Material in Ausrüstung und Verbesserungen zu investieren. Allerdings mangelt es dem Spiel an einer Zeiteinheit. Man kann die Geschwindigkeit also auch einfach hochstellen und warten, wenn etwas fehlt, ohne das Konsequenzen spürbar werden. Ist das Ressourcenmanagement und Bauelement des Spiels anfangs noch recht öde, kommen im Laufe des Spiels einige interessante Facetten hinzu.

Fähigkeiten werden über das Verteilen von Erfahrungspunkten erlangt, jede Klasse bietet da etwa 10 unterschiedliche, teils passive, teils aktive Möglichkeiten an. Außerdem ist es möglich, die Piratencrew mit Ausrüstung auszustatten und so etwa mehr Schaden mit der Standardattacke zu erzielen.

Das Setting

Bei seinem Setting punktet das Spiel richtig. Insgesamt in farbenfroher und verspielter Pixeloptik gehalten überzeugt es hier durch qualitative Animationen, ein großartiges Charakterdesign und eine stimmige Spielwelt. Die gesamte Grafik unterstützt das Piratenthema hervorragend. Der Soundtrack ist passend zur Grafik fröhlich locker und schafft es, eine schöne Karibik-Piraten-Atmospähre aufzubauen und weder langweilig noch nervig zu werden.

Die Dialoge treffen mit ihrer sarkastisch-parodierenden Art genau meinen Humor und verdienen sich den ein oder anderen Schmunzler und Lacher. Insgesamt macht das Setting das Spiel besoders vergnüglich und bietet einen tollen Rahmen für das Gameplay.

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Das Gameplay

Das Spiel fängt sehr einfach an, sowohl in Schwierigkeitsgrad als auch im Funktionsumfang, steigert sich in beiden jedoch. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Kämpfe keine taktische Herausforderung aber genießbare Unterhaltung. Wäre da nicht das miese Interface würden die Kämpfe vermutlich noch einmal deutlich mehr Spaß machen und an Schnelligkeit gewinnen.

Gerade im Zusammenspiel mit dem umfangreicher werdendem Inselmanagement bietet Swords & Crossbones genug Abwechslung, um nicht langweilig zu werden – auch wenn manche wiederholbaren Quests doch reichlich schnell anstrengend werden. Die Hauptstoryline bietet ein verfolgbares Ziel, das zum Dranbleiben und Weiterspielen motiviert und bringt im Verlauf das ein oder andere zusätzliche Schmankerl mit, das den Inselalltag interessanter gestaltet.

Fazit

Schade, das der PC-Spieler hier so versetzt wird. Ein tastaturfreundliches Interface würde dieses Spiel zu einem wahren Juwel machen – in seinem jetzigen Zustand bleibt eine großartige Grafik, eine tolle musikalische Untermalung und sehr solides, featurereiches Gameplay, das stark unter einem einfach nur nervig zu bedienendem Interface leidet. Dazu bleibt der irgendwie fade Geschmack, das man für das schlechtere Spielerlebnis zahlt, während die eigentliche Zielgruppe kostenlos in den Genuss kommt.

Nichtdestotrotz ist dieses Spiel für seinen Preis umfangreich und unterhaltsam, bietet taktisches Gameplay und Managementelemente in einem gelungenen Ambiente. Es mangelt neben dem Interface an der ein oder anderen, kleinen Komfortfunktion, was bei der preislichen Gestaltung jedoch Jammern auf hohen Niveau ist.

Steht ein ausreichend großes Smartphone oder Tablet zur Verfügung und ist das Interesse an leicht taktischen, rundenbasierten Kämpfen in Piratenmanier vorhanden, dann sollte Swords & Crossbones: AEPS auf jeden Fall ausprobiert werden!

Trotz dieser Katastrophe an Interface und dem ein oder anderen kleineren Mangel bekommt das Spiel für sein sonst sehr gelungenes Auftreten und unter Beachtung seines Preises 4 Sterne.

Update 16.02

 

Ist es denn zu fassen – die Entwickler haben auf Hinweise der Community reagiert und haben dem Kampfmenü Shortcuts hinzugefügt! Das Spiel ist jetzt bequem mit der Maus und A/I/W sowie 1-9  zu bedienen, wodurch das nervige Dreifachgeklicke entfällt und die Kämpfe deutlich schneller und flüssiger von der Hand gehen. Bei so einem aktiven Entwicklungsteam mit einem guten Gehör für die Spielerschaft und dieser essentiellen Verbesserung bleiben am Ende verdiente 5 Sterne stehen!

 

sterne5

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